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Bericht von eoiner Podiumsdiskussion Die türkische Presse in Deutschland Eine Öffentlichkeit zwischen den Staaten und Kulturen
Die Deutsch-Türkische Vereinigung zum
sozial- und geisteswissenschaftlichen
Austausch
(DTA) und
Unterschiedliche Sprachen, Erfahrungshorizonte und Kulturen erschweren eine wechselseitige Wahrnehmung der sozialen, politischen und wirtschaftlichen Belange, die sowohl die türkische als auch die deutsche Bevölkerung, sprich: die gesamte deutsche Öffentlichkeit etwas angehen. Das haben wir auch an der Universität Hannover gerade wieder erfahren: März und April 2001 prangerte die auflagenstärkste türkischsprachige Zeitung eine aus der Türkei stammende Dozentin wegen ihres wissenschaftlichen Engagements für eine Fachtagung mit verhetzenden Unterstellungen und falschen Sachverhalten an. Deshalb haben wir uns entschlossen, sprachliche sowie kulturelle deutsch-türkische »Übersetzer« einzuladen, um so mehr Aufklärung zu bekommen. Obwohl auf den ersten Blick die türkischen Medien in Deutschland sozialwissenschaftlich relativ gut erforscht zu sein scheinen, bleibt im dichten Dschungel der Zahlen und Fakten zur deutschen Integration und/oder Desintegration der „TürkInnen“ ungeklärt, wie die türkische Presse tatsächlich deutsche und/oder türkische Themen abhandelt und zum Teil gegen Personen und andere Meinungen des öffentlichen Lebens agitiert. Freie Meinungsäußerung ist ein wertvolles Rechtsgut, auf das sich auch die türkische Presse in Deutschland stützt. In der Türkei ist die Presse nur halb frei. Sie unterliegt einem repressiven Zensursystem. Freie Meinungsäußerung wird vielfach unterdrückt. Trotzdem sind die türkischen Zeitungen toleranter und vielfältiger als ihre in Deutschland erscheinenden Europa-Ausgaben. In den europäischen Ausgaben praktiziert diese Presse zum Teil einen »Journalismus«, der ein breiteres Meinungs- und Einstellungsspektrum zu »türkischen« Themen zu unterdrücken sucht, indem Opponenten der offiziellen türkischen Staatspolitik und Wissenschaft auf das schärfste angefeindet werden: Kritik am türkischen Staat, eine kritische Auseinandersetzung mit der türkischen Geschichte sowie dem Gründungsmythos der Republik wird dabei nur all zu oft als »Staatsverrat« deklariert – ein Tatbestand, der in der Türkei unter Gefängnisstrafe steht. Hierbei handelt es sich u.E. weniger um freie Meinungsäußerung(-en) der türkischen Presse, als um die massive Abwehr anderer Meinungen, um ideologisch aggressiven Nationalismus, den wir durch die europäische Integration zwar zu überwinden hoffen, den aber bestimmte europäische Teilöffentlichkeiten nach wie vor vertreten. Vor allem die Bekämpfung der liberalen türkischen Öffentlichkeit in Deutschland, deren Stimme mangels Unterstützung in Deutschland und aus der Türkei sehr schwach ist, schädigt Dialog und Integration in gefährlicher Weise. Kultur- und Kommunikationszentrum Pavillon, Hannover Lister Meile 4 (hinter dem Hauptbahnhof), Tel. 0511/344558 Kleiner Saal, 10.01.2002, 19.30 Uhr
Kontakt: Gerhard
Voigt, OStR, |
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