|
»300 km südlich von Ankara, in der Kornkammer der
Türkei, entwickelt sich die Provinzmetropole Konya zum Industrie- und
Universitätszentrum. Zur Bewältigung der wachsenden Aufgaben reagierte die
Verwaltung der heute über 800.000 Einwohner zählenden Stadt mit einem
Erweiterungs- und Strukturprogramm. Es berücksichtigt eine
Entwicklungsprognose, nach der die Einwohnerzahl Konyas im Jahr 2000 1,3
Millionen Menschen erreichen wird. Eine der dringlichsten Aufgaben ist die
Lösung der immensen Verkehrsprobleme. Denn die prognostizierten
Verkehrsströme von in der Spitze über 25.000 Personen pro Stunde und
Richtung können mit dem bestehenden Bus- und Minibussystem nicht bewältigt
werden.« [Zusatz 2011: Daten aus Wikipedia]
Konya, auch Konia, Stadt in der
Türkei, Hauptstadt der Provinz Konya in Zentralanatolien, im
Becken von Konya. Hauptprodukte der Stadt sind Teppiche und
Lederwaren. Wichtig ist auch der Handel mit Mineralien. In der
umliegenden Region wird Pferde- und Kamelzucht betrieben. Wasser
aus dem nahegelegenen BeyÕehirsee
ermöglicht den Bewässerungsfeldbau in der trockenen
Beckenlandschaft. Zu den Sehenswürdigkeiten der Stadt gehören
mehrere prachtvolle Moscheen, zahlreiche Museen und das Kloster
Mevlana (Kloster der Tanzenden Derwische) mit dem Grabmal des
Mystikers Djalal od-din Rumi, dem Begründer des Derwischordens. Die
Stadt beheimatet die Selçuk-Universität, die 1975 gegründet wurde.
Im Persischen Reich war Konya (damals Iconium)
Grenzstadt von Phrygien. Die Römer gliederten die Stadt Lykaonien
an und machten sie zu dessen Hauptstadt. Paulus und Barnabas
predigten hier. Zu byzantinischer Zeit war Konya Sitz eines
Erzbischofs. Die Stadt war Hauptstadt des von den Seldschuken
errichteten Sultanats Rum. Die Osmanen besiegten dort 1832 die
Ägypter. Die Einwohnerzahl beträgt etwa 510.000. [Köktaş, 2000]
|
Dieser Blick auf Konya stammt von der Firma Siemens
(Siemens 2000), die in Konya ein Stadtbahnsystem errichtet. Doch ein
genauerer Blick auf diese Stadt führt unweigerlich zu Irritationen, die
eine nähere Beschäftigung im Geographie-Unterricht als lohnend
erscheinen lassen. Wer die Türkei bereist, besucht Istanbul, Ankara, die
Ägäis- oder die Mittelmeerküste. Konya, die Großstadt im südlichen Teil der
anatolischen Hochflächen zieht höchstens die religionskundlich
Interessierten an, die den Ursprungsort des mystischen Ordens der
»tanzenden Derwische«, das Grabmal des Mêvlâna, Djelaleddin Rûmis,
besuchen wollen, oder wird schnell auf dem Wege nach Pamukkale oder der
südlichen Mittelmeerküste durchfahren. Dabei ist Konya ein faszinierendes
Beispiel für eine moderne Stadtentwicklung in der Türkei und politisch
interessant, weil es die erste Stadt in der Türkei war, in der Islamisten –
seit den 80er Jahren – die Stadtverwaltung stellen. Das ruft Fragen nach der
besonderen Identität dieser Stadt hervor.
Konya macht in der Zeit des osmanischen Sultanats eine
lange Periode des Zerfalls und Bedeutungslosigkeit durch (M1). Das Zentrum
des Osmanischen Reiches verschob sich von Anatolien nach Istanbul und
orientierte sich an Europa. Anatolien wurde zur Peripherie, eine Prozeß, der
erst durch die Verlegung der Hauptstadt 1924 nach Ankara teilweise wieder
aufgehoben wurde. Nur durch das Bestehen des Mêvlevi-Ordens, der am
Sultanshof politische Bedeutung gewonnen hatte, konnte sich ein Gefühl
weiter bestehender kultureller Identität und Überlegenheit in der Stadt
Konya halten. In der Zeit der Gründung der Türkischen Republik durch
Atatürk (nach 1924) wurde der Derwisch-Orden im Rahmen der Saekularisierung
verboten. Diese „kulturelle Kränkung“ Konyas verstärkte den Antagonismus
zur übrigen türkischen Entwicklung, bot aber nach dem Zweiten Weltkrieg
Anknüpfungspunkte einer »alternativen Modernisierung« (M 2).
Mit der Gründung der Selçuk-Universität und ihren
modernen Arbeitsschwerpunkten in den modernen Technologien und der
Umweltforschung (M4) wurde versucht, eine neue Integration von
politisch-islamischen Traditionalismus, was Wertvorstellungen und ethische
Orientierungen angeht, mit technologischer und wissenschaftlicher
Modernität – und weltoffenheit! – zu verbinden. Dieses »islamistische
Selbstverständnis« in der Türkei weicht deutlich vom islamischen
Fundamentalismus z.B. in Nordafrika ab. Dafür ist Konya ein gutes Beispiel.
Konya ist stolz auf seine Kultur und – seine
Modernität. Verfolgt man in den letzten beiden Jahrzehnten die
Stadtentwicklung, in einer Zeit, in der die westliche Türkei generell durch
einen Modernisierungssprung und eine stärkere Orientierung hin zur EU
gekennzeichnet wird, verändert sich das Stadtbild von Konya durch eine
tiefgreifende Stadtsanierung (M 6), die Einbeziehung der baulichen
Kulturdenkmäler der Seldschuken-Zeit in das Programm des UNESCO-Welterbes
und Infrastrukturverbesserungen (M 3), die ein geordnetes Stadtwachstum (M
5) und den Bau peripherer Wohngebiete ermöglichen.
Die Stadt macht heute von allen türkischen Großstädten
den westlichsten (äußerlich gesehen: des ›saubersten‹) Eindruck, was durch
aktuelle Bemühungen der Stadtverwaltung und der Selçuk-Universität für
Umweltschutzprojekte im Bereich der Abwasserentsorgung und Mülldeponierung
(M 4) ebenso unterstrichen wird wie durch die auffällige Zahl von
Sonenkollektoren zur Warmwasserversorgung auf beinahe allen Hausdächern.
Nur für den westlichen Beobachter ist es dabei ein
Widerspruch, daß diese Modernität, die tief in das Alltagsbewußtsein der
Bewohner von Konya eingreift, durch die erste islamistische Stadtverwaltung
einer türkischen Großstadt überhaupt initiiert und durchgeführt wurde.
Erklärungsansätze dazu liefert die Geschichte der
Peripherisierung Südanatoliens und der sozialpsychologische Antagonismus zu
den in der Osmanischen Zeit ausgebildeten zentral-peripheren Strukturen.
Zusammenfassend kann am Beispiel Konyas die Bedeutung von Imagestereotypen
und historischen Benachteiligungen für die Modernisierungspotentiale und
ihre Widersprüchlichkeiten in der heutigen Zeit entwickelt werden.
Wandlungen, Widersprüchlichkeiten und Disparitäten gilt
es beim Thema ›Konya‹ aufzuzeigen. Ein fächerübergreifender Ansatz,
der historische und sozialpsychologische sowie sozio-ökonomische
Erklärungen mit einbezieht, ist hier notwendig. Aus der Fülle der
Möglichkeiten sollen drei Unterrichtsschritte vorgeschlagen und mit
Materialien belegt werden:
1. Alt und neu: Konya wandelt sein Gesicht.
Interpretation von gegensätzlichen Fotos:
-
Das Grabmal des Djellal-ed-Dîn Rûmi: sorgsam
restaurierte Tradition, religiöses Zentrum und touristisch gesuchtes
Museum [Konya als Hauptstadt der Seldschuken (Foto 1. Zusätzliche
Quellen: Reiseführer, Liste des UNESCO-Welterbes)]
-
Alte Stadtviertel zerfallen (Foto 2) [Niedergang in
der Osmanischen Zeit, Peripherisierungsprozesse (M 1)] – seit 1975 beginnt
die Stadterneuerung (Foto 3/4).
2. ›Kulturelles Selbstbewußtsein‹ als Reaktion auf
Peripherisierungsprozesse in ›Traditionsstädten‹ (vgl. Stadtbeschreibung im
Text)
-
Konya – eine Stadt in der Peripherie der modernen
Entwicklung (Verallgemeinerungen aus der ersten Phase, M 2, Atlasarbeit)
-
Das Bild Konyas in der Türkei (M 1) und das
Selbstbewußtsein der ›Islamisten‹ (M 2)
-
(Zusätzlicher interdisziplinärer
Unterrichtsabschnitt:) Die Bedeutung des Islam und der islamischen Mystik
für Konya (Filme über den Mêvlâna in den Landesbildstellen)
3. Der neue ökonomische Aufschwung und das wachsende
Selbstbewußtsein in Konya (noch einmal M 2)
-
Stadtstruktur und Städtewachstum (M 4 bis M 6)
-
Die infrastrukturelle Erneuerung (M 7, Foto 3 und 4)
-
Konya wird zum Zentrum einer ›nachhaltigen
Stadtentwicklung‹ (Agenda 2000, M 7 bis M 10)
Fischer Weltalmanach 2000. CD ROM.
Höhfeld, Volker, 1995: Türkei. Schwellenland der
Gegensätze. Gotha.
Kellner-Heinkele, Barbara / Hauenschild, Ingeborg, Hg.,
1990: Türkei. Streifzüge im Osmanischen Reich nach Reiseberichten des 18.
und 19. Jahrhunderts. Frankfurt am Main. [Daraus der Bericht von Kinneir, M
1, S. 3290-357.]
Konya, Tourist Office: Informationsmaterialien und
Auskünfte 1985-1996.
Siemens Verkehrstechnik 2000, Berlin: Stadtbahnsystem
Konya, Türkei <= [Siemens 2000]>.
Türkische Umweltinitiative in Deutschland e.V. [TUD,
c/o Ökochemie der TUBS, Hagenring 30, 38106 Braunschweig]/Dr. Jörg Ebert:
Tätigkeitsbericht, Projekte in Konya <= [TUD 2000]>.
van Gent, Amalia: Die anatolischen Löwen von Konya. Das
»grüne Kapital«. Islamisten als selbstbewusste Unternehmer. Neue Zürcher
Zeitung vom 30. Mai 1998 <vgl. [NZZ 1998]>.
Voigt, Gerhard, 1996: Probleme der
Nationalstaatsbildung und Modernisierung an der Peripherie Europas.
Gesellschaftlich-historische Anmerkungen zur Türkei. In: politik unterricht
aktuell (Verband der Politiklehrer e.V.). Heft 1-2, 1996: 39-62.
[Citypopulation/Thomas
Brinkhoff, 09.07.00]: http://www.citypopulation.de/Tuerkei_j.html
[KöktaÕ,
2000]: http://www.koektas.de/tuerkiye/staedte_der_tuerkei/zentralanatolien/Konya.htm
[NZZ 1998]: http://www.nzz.ch/online/02_dossiers/islamismus/islam_vangent.htm
[Siemens 2000]:
http://www.siemens.com/vt/vt_d/produkte_loesungen/gesamtanlagen/nahverkehr/konya.html
[TUD
2000]: www.tu-bs.de/institute/oekochem/german/koop/tud/tud.html
Abb. 1: Das Grabmal des Mêvlâna Djelladin
Rûmis: Museum und Wallfahrtsort

Abb. 2: Ein traditionelles Stadtquartier – nur
noch Reste alter Stadtstrukturen

Abb. 3: Die neue Markthalle ersetzt den
traditionellen Gemüse- und Lebensmittelbazar

Abb. 4: Hauptstraße am Alaeddin-Hügel: Moderne
Cityentwicklung

Eine Stadt mit besonderem Charakter: Ein
Gespräch mit türkischen Schülern
„Was wollt ihr denn in Konya? Konya ist doch nicht
typisch für die Türkei! Da wohnend doch die Fanatiker!“ So mokiert sich Cem,
den wir in Istanbul getroffen haben. Doch das läßt sein Klassenkamerad
Mevlüt, dessen Eltern aus Konya stammen, nicht gefallen: „In Konya ist doch
das kulturelle Zentrum des Landes, die eigentliche Türkei. Mêvlânas Lehre
wirkt noch heute: die Menschen sind gastfreundlich und ehrlich – ihr
trefft in Konya auf Freunde!“ Aber Cem hält dagegen: Konya ist doch die
erste Stadt, in der sich die radikalen Islamisten in der Stadtverwaltung
durchgesetzt haben. Das bringt das moderne Erbe Atatürks in Gefahr.“ Darauf
Mevlüt: „Von wegen radikal: Konya ist heute eine moderne Stadt;
Elendsviertel, ‚Gecekondus‘, wie in Istanbul oder Ankara gibt es hier nicht,
die Straßen sind sauber und modern, sogar die Verkehrsregeln werden von den
Autofahrern besser eingehalten als im chaotischen Istanbul.“ – „Ist das
nicht eher ein Zeichen von Provinzialität einer Stadt, die niemals die
Bedeutung der beiden Metropolen erhalten wird? In der die Wirtschaft auf
Teppichhandel und Tourismus fußt?“ – „Sicher nicht, Konya ist eine Stadt,
die die menschlichen Maßstäbe noch respektiert...“ – „Nun, ich möchte nicht
in Konya leben...“
Die ›grünen Löwen‹ von Konya
»Die zentralanatolische Stadt Konya wird von zwei mit
dem Islam verbundenen Bewegungen geprägt: dem mystischen Orden der
tanzenden Derwische einerseits und den anatolischen Löwen anderseits. Bei
letzteren handelt es sich um erfolgreiche, häufig islamistische
Geschäftsmänner, deren Aktivitäten einen lokalen Wirtschaftsaufschwung
ausgelöst haben. Die Militärführung in Ankara ist dadurch aufgeschreckt
worden und spricht von einer Bedrohung durch das »grüne Kapital.
Die anatolischen Löwen sind nicht einfach
gleichzusetzen mit islamischen oder islamistischen Unternehmern. Unter den
jungen Geschäftsleuten Anatoliens befinden sich durchaus überzeugte
Säkularisten. Es gehört aber zu den Besonderheiten Konyas, dass ein
Grossteil seiner Unternehmer zugleich fromme Muslime sind. Die Entfaltung
einer islamischen Geschäftswelt in der streng säkularen Türkei ist
ebenfalls eine Leistung Özals. Mit seinem Konzept einer »islamisch-
türkischen Synthese« hatte er nämlich die Religion zum festen Bestandteil
der türkischen Identität erklärt. Erst seine Reformen machten es den
Islamisten möglich, wirtschaftlich aktiv zu werden und sich zu
organisieren. In Istanbul wurde 1990 der Verband unabhängiger
Geschäftsleute (Müsiad) gegründet, der hauptsächlich die Klein- und
mittelgrossen anatolischen Unternehmer islamischer Prägung vertritt. Seine
rund 3000 Mitglieder erwirtschaften heute einen Umsatz von 35 Milliarden
Dollar; das entspricht einem Zehntel des türkischen Sozialproduktes. Ihre
Exporte belaufen sich auf rund 7 Milliarden Dollar.«
[van Gent 1998 / Neue Zürcher Zeitung]
Aufgabe: Erörtert, in wie weit die spontanen
Urteile der Schüler über Konya in M 1 mit den wirtschaftlichen Konzepten der
„Anatolischen Löwen“ in M 2 in Verbindung gebracht werden können.
In der Peripherie: Konya im 19. Jahrhundert
»Die Ebene war in der Ferne mit <den Herden der
Nomadenstämme> bedeckt, die Pferdezucht treiben, deren Zelte auf
kegelförmigen Hügeln stehen, die mit wenigem Grün bedeckt sind, da die
übrige Ebene äußerst dürre aussieht. Auf der zwölften Meile fingen die
Minarets und die Gärten von Koni an sich allmählig zu zeigen und schienen
sich stufenweise zu erheben. Als wir in die Stadt kamen, zogen wir durch
eine gar elende Vorstadt, die eine Meile lang seyn mag...
Die Stadtmauern sollen von den Seldschukischen Sultanen
aufgeführt seyn; mir schien es, als ob man Ruinen alter Gebäude dazu benutzt
habe; zerbrochene Säulen, Kapitäler, Sokkel, Basreliefs u. dgl. sind darin
verbraucht. Die Mauer hat acht viereckige Thore, und sie ist, so wie die
meisten Thürme, mit Arabischen Inschriften geziert. ... Auf einigen fand
ich Griechische Buchstaben... Ein großer Theil des Giebels an dem Thore ...
enthält eine Türkische Inschrift; unmittelbar darunter ist in der Mauer
ein herrliches Basrelief, und eine kolossale Statue des Herkules... Die
Anzahl der Einwohner soll gegen 30000 Seelen betragen, die meisten sind
Türken, Christen giebt es wenige. ...«
John Macdonald Kinneir: Reise durch Klein-Asien,
Armenien und Kurdistan, in den Jahren 1813 und 1814. Aus dem Englischen von
F.A. Ukert. Weimar 1821 (aus Kapitel 13-16.).
Einwohnerzahlen der Provinz und der Stadt
Konya
|
Name |
Abkürzung |
Hauptstadt |
(km2) |
21.10.1990 |
30.11.1997 |
|
Konya /
Provinz |
KON |
Konya |
38157 |
1.752.658 |
1.931.773 |
|
|
|
|
20.10.1985 |
21.10.1990 |
30.11.1997 |
|
Konya /
Stadt |
KON |
|
439.181 |
513.346 |
623.333 |
|
Die zehn größten Städte der Türkei -
Einwohnerzahlen |
|
|
Name |
Provinz |
|
30.11.1997 |
|
|
|
Istanbul |
IST |
|
8260438 |
|
|
|
Ankara |
ANK |
|
2984099 |
|
|
|
Izmir |
IZM |
|
2081556 |
|
|
|
Bursa |
BUR |
|
1066559 |
|
|
|
Adana |
ADA |
|
1041509 |
|
|
|
Gaziantep |
GAZ |
|
712800 |
|
|
|
Konya |
KON |
|
623333 |
|
|
|
Antalya |
ANT |
|
512086 |
|
|
|
Diyarbakir |
DIY |
|
511640 |
|
|
|
Mersin |
ICE |
|
501398 |
|
|
|
[citypopulation / Thomas
Brinkhoff] |
|
|
Bevölkerungsentwicklung

Karte: Bevölkerungsentwicklung in den türkischen
Provinzen gemessen am Landesdurchschnitt
aus: Höhfeld, a.a.O., S. 149 (Abb. 31 oben)
Industrielle Arbeitsplätze

Karte: Industrielle Arbeitsplätze in der Türkei 1963/64
und 1985 nach Provinzen
aus: Höhfeld, a.a.O., S. 153 (Abb. 33)
Aufgabe 1: Beschreibt die Entwicklung der
Stadt/Provinz Konya seit dem Osmanischen Reich (M 3) und nach dem Zweiten
Weltkrieg im Vergleich mit den Metropolen Istanbul und Ankara (M 4 bis M
6). In M 1 können auch Angaben zur sehr wechselvollen Geschichte der
Bevölkerung und der politischen Zugehörigkeiten abgelesen werden, die
sicherlich Einfluß haben auf das heutige Selbstbewußtsein der Bewohner von
Konya.
Aufgabe 2: Südanatolien und die Provinz Konya
lag im Mittelalter an der Schnittstelle wichtiger politischer Großräume und
entwickelte sich zu einem kulturellen Zentrum (vgl. Foto 1 und
Geschichtsatlas) und wurde im Osmanischen Reich von Istanbul aus gesehen zur
Peripherie (M 3). Erläutere die Entwicklung der Perpherisierung auf die
Stadtentwicklung (Foto 2) und die Veränderungen, die sich in der Türkischen
Republik durch eine an Europa orientierten Modernisierungspolitik für
Zentralanatolien und die Provinz Konya ergeben haben (M 4 bis 6, Foto 3 und
4).
Die neue Stadtbahn in Konya
»Im Rahmen des Strukturprogramms beschloß die
Stadtverwaltung 1985 den Bau eines Stadtbahnnetzes. Mit dem Ziel, das
geplante Wohnungs- und Gewerbegebiet sowie den neuen Campus für 28.000
Studenten anzubinden...
Stadtbahnsystem Konya
Streckenlänge 18 km
zweigleisig,
oberirdische Stationen 20 (9 optional auf
Erweiterungsstrecke Cumhuriyet - Universität)
Fahrzeuge 38
(plus 3
als Reserve).
Bahnstromversorgung 750 V DC
Zugfolge 2 - 15
Minuten
Betriebszeit 6 - 24 Uhr
Transportleistung
z.Zt. 85.000
Personen pro Tag
|
Die Linie 1 soll die 18 km vom Zentrum entfernte
Universität und die stadteinwärts geplanten Ansiedlungen anbinden. Die
erste 10 km lange Teilstrecke mit 18 Haltestellen führt vom Aladinhügel in
der Stadtmitte bis zur Wendeschleife Cumhuriyet an der alten
Bebauungsgrenze. Im zweiten Bauabschnitt wird der Norden Konyas mit dem
Zentrum verbunden. Langfristig sieht die Planung vier Linien mit
insgesamt 58 km Streckenlänge vor.
Nach einer internationalen Ausschreibung erhielt die
Siemens AG im Mai 1986 den Auftrag zum Bau der ersten Linie mit deutscher
Kapitalhilfe. Zur Kostenoptimierung stellten die Stadt Konya und ihr
Berater Rail Consult 50 % des Liefer- und Leistungsumfangs bereit, Siemens
Verkehrstechnik die restlichen 50 %. ...
Zu günstigen Konditionen kaufte Konya gebrauchte
Fahrzeuge. Sie wurden überholt und in den Farben Konyas lackiert. Im
September 1992 wurde der erste, im April 1996 der letzte Bauabschnitt der
Linie 1 in Betrieb genommen. Das Fahrgastaufkommen spiegelt die hohe
Akzeptanz der Bevölkerung: die Fahrzeuge befördern pro Werktag während des
planmäßigen Betriebs von 6 Uhr morgens bis 24 Uhr rund 85.000 Fahrgäste...
[Die] Stadtbahn entlastet den Straßenverkehr deutlich und reduziert den
Schadstoffausstoß. Auch der wirtschaftliche Aufschwung der Stadt wird von
der Stadtbahn positiv beeinflußt. Entlang der Strecke zwischen
Bebauungsgrenze und Universität entstehen bereits neue Wohngebiete. Weitere
Wohn- und Industriegebiete werden erschlossen.«
[Siemens 2000]
»1985 lebten in Konya etwa
450.000 Einwohner; damit war Konya die siebtgrößte türkische Stadt. Bei
anhaltendem Bevölkerungswachstum von zurzeit 4,5% jährlich wird im Jahr 2010
mit 1,8 Millionen Personen gerechnet. Eine 1982 durchgeführte Verkehrsstudie
ermittelte schon damals etwa 350.000 Personenfahrten/Tag bei 0,77
Fahrten/Einwohner und Tag. Der Modal Split zwischen individuellem
motorisiertem Verkehr und öffentlichem Verkehr betrug etwa 15:85. Der
Motorisierungsgrad lag 1981 bei 38 PKW/1000 Einwohner...
Der dargestellten Entwicklung folgend hat die
Stadtverwaltung Konya Mitte der 80er Jahre ein Neubauprogramm beschlossen,
das sowohl die Anlage weiterer Siedlungsgebiete als auch den Bau einer
außerhalb der Stadt gelegenen neuen Universität vorsieht. Zukunftsweisend
hat die Stadtverwaltung 1986 erkannt, dass sich die hierdurch entstehenden
Verkehrsströme nicht mehr mit einem Bus-/Minibus-System damaliger Prägung
beherrschen lassen. Prognostizierte Verkehrsströme von in der Spitze bis zu
25.000 Personen/h und Richtung verlangen zwingend den Einsatz von
schienengebundenen Beförderungssystemen. Aufgrund der Erfahrungen in anderen
Ländern und den örtlichen Gegebenheiten fiel die Wahl auf den Bau eines
Stadtbahnsystems deutscher Konzeption. Diese Lösung stellt eine besonders
wirtschaftliche und den finanziellen Ressourcen angemessene Lösung dar.
Nach einer internationalen Ausschreibung erhielt die
Siemens AG am 24.05.1986 den Auftrag zum Bau einer ersten Linie unter
Mitfinanzierung durch deutsche Kapitalhilfe. Die Entscheidung der Firma
Siemens, für den Betrieb auf dem von ihr aufzubauenden Stadtbahnsystem
zunächst einmal altbrauchbare Wagen in Form der Kölner Achtachser
vorzusehen, hat sich als glücklich erwiesen. Über 40 Jahre alt, erbringen
die Fahrzeuge dort unter erheblich härteren Einsatzbedingungen als in
Deutschland Höchstleistungen. Eine steigungsreiche Strecke bringt die meist
überfüllten Fahrzeuge an ihre Belastungsgrenze. Dennoch ist die
Verfügbarkeit extrem hoch, Ausfälle sind kaum zu verzeichnen und als auch
Fahr- wie Werkstattpersonal sind begeistert von der einfach beherrschbaren
und schier unverwüstlichen Technik...
Im Frühjahr 1988 wurde in Köln der Vertrag zur
Übernahme von zunächst 16 Triebwagen der Reihe 3700 unterzeichnet. Weitere
Serien sollten, abgestimmt auf den Bedarf in Konya und die Verfügbarkeit in
Köln abgerufen werden können...
Die Grundsteinlegung erfolgte durch den damalige
türkische Ministerpräsident Turgut Özal am 13.07.1987. Planungs- und
Konstruktionsarbeiten wurden anschließend zügig vorangetrieben, so dass
Anfang 1989 die Werkstattgebäude fertig gestellt sowie ein Teil der
innerstädtischen Gleisverlegung beendet waren.
Am 25.11.1988 verließ der erste Achtachser 101 (ex KVB
3756) auf einem Straßentieflader die Kölner Hauptwerkstatt. Der Weg zu
seinem Ziel war aufwändig und lang: Ab Hafen Antwerpen ging es per Schiff
nach Mersin und von dort wieder per Straßentransport über Passtrassen des
Taurusgebirges auf die anatolische Hochebene nach Konya. An Weihnachten 1988
kam der Wagen in seiner neuen Heimat an. Bis August 1989 gelangten acht
weitere Wagen auf diesem Weg nach Konya. Da der Betriebshof noch nicht
fertig gestellt war, wurden einige Wagen auf einem bereits fertig gestellten
Gleisabschnitt mitten in Konya abgestellt...
Der Wagen 104 (ex KVB 3751) erreichte am 15.04.1992 als
erstes Fahrzeug mit eigener Kraft die Endstelle Cumhuriyet. Am 23.04.1992
eröffnete der Oberbürgermeister offiziell den Betrieb auf dem ersten
Teilstück vom Depot bis Cumhuriyet, allerdings nur für Probe- und
Fahrschulfahrten. Die offizielle Betriebsaufnahme auf der Stadtbahnlinie 1
erfolgte am 28.09.1992. Der 1. Streckenabschnitt ist 10,4 km lang. Die
Verlängerung zur Universität misst 7,6 km und wurde am 19.04.1996 eröffnet.
Für den dadurch notwendigen Mehrbedarf an Fahrzeugen kam 1995 nunmehr direkt
mit der KVB ein Vertrag über die Übernahme von 25 weiteren Wagen zustande.
In vier Lieferlosen gingen die Wagen diesmal zwischen Oktober 1995 und
Oktober 1996 auf dem Seeweg ab Bremen in ihre neue Heimat. Neu war auch der
Transport per Bahn zum Hafen. Dazu wurden die Wagen bereits in der Kölner HW
über die vorhandene Rampe auf Flachwagen geschoben. Jeweils fünf bis sechs
Stück wurden im HGK-Güterbahnhof Niehl gesammelt und dann in Regelzügen der
DB nach Bremen gefahren. Sie verließen Köln im letzten Kölner Zustand,
Aufarbeitung und Anpassung an die neuen Verhältnisse erfolgten nun in Konya
selbst...
Der Erfolg der Stadtbahn Konya war gewaltig. Wurden im
ersten vollen Betriebsjahr 1993 12 Mio Fahrgäste befördert, so waren es nach
Erweiterung der Strecke zur Universität 1997 bereits 35 Millionen. Die
Verlegung des Busbahnhofes an die Endstation des ersten Bauabschnittes und
die zunehmende Besiedlung entlang des zweiten Bauabschnitts ließ die
Fahrgastzahlen über das Jahr 2000 hinaus auf über 40 Millionen ansteigen.
Das verfügbare Wagenmaterial hatte die Belastungsgrenze erreicht. Auch ging
der Bau einer dritten Linie in ein konkretes Stadium. Für die Aufstockung
des Wagenparks wurden von Köln zunächst einmal die Traktionswagen der Serien
3100 und 3200 angeboten. Diese fanden bei den Verantwortlichen aus Konya
aufgrund des doppelten Fassungsvermögens großes Interesse und es wurde ein
Vorvertrag mit Köln über deren Übernahme abgeschlossen. Auch die KVB dürfte
damit zufrieden gewesen sein, da sich mit den „moderneren“ und technisch
höherwertigeren Fahrzeugen auch ein besserer Verkaufspreis erzielen ließ...
Zusammen hat der türkische Betrieb damit 68 Wagen
gekauft, 61 wurden nach Konya gebracht und zum Einsatz gebracht. Ein
Fahrzeug musste dort im Jahre 2003 nach einem Brand verschrottet werden, die
übrigen 60 haben sich tagtäglich im harten Alltagsbetrieb zu bewähren. Die
Frage nach einer Übernahme weiterer Wagen im Fall der Realisierung weiterer
Netzausbauten wird sich nicht mehr stellen: In Köln gibt es „nichts mehr zu
holen“. Auch für die vor Ort im Einsatz befindlichen Wagen ist zu erwarten,
dass sie trotz guter Pflege und ausreichender Ersatzteilversorgung in einem
Zeitrahmen von etwa 5-8 Jahren ersetzt werden müssen.
Langfristig ist allerdings vorgesehen, auch in Konya
Neubaufahrzeuge einzusetzen. Die baulichen Anlagen würden den Einsatz von
Wagen ähnlich dem deutschen Stadtbahnwagen B zulassen.
Das nachstehende Bild zeigt die Gleisführung der
zurzeit betriebenen Strecke, die vom Stadtzentrum bis zur Wendeschleife
Universität führt.«
[Quelle: BahnDokumente Klaus Meschede.
http://www.bahndokumente.de/Strab%20Konya/index.html ]
Konya ist auch heute ein Zentrum des islamischen
Traditionalismus, der der laizistischen Politik der Nachfolger Atatürks
noch immer zu schaffen macht. Seit der fromme Muslim Özal Ministerpräsident
geworden ist, hat auch in der Öffentlichkeit der praktizierende Islam,
unter den skeptischen Augen des Militärs, wieder ein stärkeres politisches
Gewicht. Vielleicht wird dies bei den Machthabern auch als das kleinere übel
gegenüber dem sozialen Aufbegehren angesehen, das nun tatsächlich
Machtpositionen in Frage stellen könnte. Das Selbstverständnis Konyas erhält
durch diese politische Entwicklung neuen Auftrieb; schaut es doch schon
lange mit einer gewissen Verachtung auf die „junge“ Hauptstadt Ankara herab,
die so offensichtlich mit ihren eigenen Problemen – Smog, Slums,
Verkehrschaos und soziale Spannungen – nicht fertig wird und die für eine
verwestlichte Politik steht, die in den Augen des traditionsreichen Konyas
Symptom eines gescheiterten, kulturlosen Materialismus ist. – „Wir sind bei
den anderen Türken nicht besonders beliebt. Konyaer gelten als zu stur, zu
ehrlich und zu fromm“, sagt uns ein Student der hiesigen Hochschule. In der
stimmungsvollen Selimiye Moschee neben der Tekke des Mêvlâna erhalten wir
dann noch sehr kenntnisreiche und ausführliche Erläuterungen über den
islamischen Ritus, seine theologischen Hintergründe, diesmal aus eher
orthodoxer Sicht, von einem Universitätsassistenten der – Geologie.
Die Selimiye wurde oft dem großen Architekten Sinan
zugeschrieben, dürfte aber einige Jahrzehnte älter sein, wie der
Stifterzuordnung an Sultan Selim I. zu entnehmen ist.
Dennoch ist sie ein proportionierter,
klassisch‑harmonischer Bau aus der Blütezeit der osmanischen Architektur.
Sie setzt dabei eine architektonische Tradition in Konya fort, die einige
Jahrhunderte früher, im 12. und 13. Jahrhundert, als die Stadt Hauptstadt
des Seldschukenreiches gewesen ist, der Zeit also, als der Mêvlâna in Konya
wirkte, ihren ersten, unübertroffenen Höhepunkt erreichte. Moscheen und
Medresen, Koranschulen, haben hier innerhalb kurzer Zeit Konya zu einem
Mittelpunkt der Weltarchitektur werden lassen. Es kostet Mühe, die vielen
großartigen Bauwerke heute zu erhalten und vor dem Verfall zu bewahren. Die
Ince Menare Medrese (eine Moschee mit dem „schlanken Minarett“) ist wegen
Renovierungsarbeiten derzeit geschlossen; nur das großartig ausgestaltete
Portal zeigt dem Passanten den Rang dieses Bauwerkes an, seitdem das
berühmte Ziegelminarett anfang des Jahrhunderts durch einen Blitzschlag auf
die Hälfte seiner ursprünglichen Höhe erniedrigt worden ist. Die
Restaurationsarbeiten überfordern den türkischen Staat; das gilt vor allem
für das größte und schönste Bauwerk der Seldschukenzeit, die Âlâeddin
Moschee; gebaut 1107‑1156 unter Masut I. und ausgebaut und vollendet 1220‑21
unter Alaettin Kaikobäd I.
Die große Hallenmoschee, mit ihren vielen Nebengebäuden
festungsartig umfriedet, steht auf einem künstlichen Hügel im Zentrum der
Stadt, der schon in hethitischer und, erst dort erhöht und ausgebaut,
römischer Zeit Befestigungsanlagen trug. Heute umgibt die Moschee ein Park
an den Hängen des Hügels, des Alâeddin Tepesi, der die umgebenden
Straßenzüge etwa um 20 bis 30 Meter überragt und einen Durchmesser von ca.
500 bis 1000 m hat. Das zeltförmige Dach über dem Zentrum der Gebetshalle
kennen wir schon von der Tekke des Mêvlâna; auch andere türkische
Architektur dieser Zeit, wie die zentralanatolischen Karawansereien, sind
von steinernen Zelten, die innen eine Innenkuppel bergen, gekrönt. Zwei
Wurzeln werden für diese auffällige Bauform genannt: einmal der armenische
Kirchenbau um das Jahr 1000, der sein Zentrum in der Region des Van‑Sees
hatte und dessen Baumeister in den Jahrhunderten danach in der ganzen
Mittelmeerwelt anzutreffen sind, und zum andern in einer autochthonen
turkmenischen Bauform, die das mittelasiatische Zeltmotiv aufgreift. Auch
in Turkmenistan, in Samarkand und im berühmten Grabturm Gonbad‑e‑Kabus in
Nordostiran treffen wir wieder auf die auffällige Steinzeltarchitektur.
Bei der Âlâeddin Camii ragt das Zeltdach über den
massigen Außenmauern des Gesamtkomplexes nur aus bestimmten Perspektiven
gesehen hervor, ein Versprechen, noch keine Erfüllung. Je weiter wir uns von
der Moschee entfernen, desto klarer wird die Gesamtanlage, doch dann
verschwindet sie wieder hinter den Bäumen und Büschen des Parks. Die Moschee
ist akut vom Einsturz gefährdet; ihre Steinornamente und Stukkaturen
bröckeln, die geschnitzten Holzsäulen der Gebetshalle sind morsch. Besucher
werden derzeit nicht in das Gebäude gelassen, auch um den Schaden nicht zu
vergrößern. Aber das Gebäude muß und soll gerettet werden. Hoffnung ergibt
sich heute, da die UNESCO die Âlâeddin Moschee in ihre Liste der
Kulturdenkmäler der gesamten Menschheit aufgenommen hat, wie vorher die
Altstadt von Fez in Marokko, indonesische Tempel und westindische
Festungsanlagen. Das bedeutet einen Neubeginn der Restauration mit
internationaler Finanzhilfe und der Beratung durch die besten Restaurateure
und Architekturgeschichtler der Welt. Konya kann wieder hoffen.
Entwicklung der Zusammenarbeit der UNI
Braunschweig und der Universität von Konya
Umweltanalytisches Laboratorium an der Selcuk Universität Konya nimmt seinen
Betrieb auf.
Durch die Initiative des TUD-Vorsitzenden und Leiters
des Instituts für Ökologische Chemie und Abfallanalytik der Tu Braunschweig
wurde mit Mittel des Bundesforschungsministeriums (BMBF), Bonn, an der
Selcuk Universität in Konya ein Umweltanalytisches Laboratorium gegründet
und ausgestattet. Mit ca. 100.000 DM Fördermitteln über das Internationale
Büro des Forschungszentrums Jülich als Projektträger des BMBF wurden neben
der Grundausstattung dieses Labors, wie Analysenwaage, Magnetrührer,
Ultraschallbäder u.a., insbesondere Soxhlett-Extraktoren,
Rotationsverdampfer, Trockenschränke, ein Gelpermeationschromatograph und
ein Gaschromatograph beschafft und nach Konya versandt. Im September 1996
waren Prof. Bahadir und sein Mitarbeiter Priv.-Doz. Dr. Wilhelm Lorenz, für
17 Tage in Konya und überwachten die Installation der
Versorgungseinrichtungen (Gas, Wasser, Strom) sowie die Geräte und nahmen
diese in Betrieb. Bei dieser zugleich als Trainingsprogramm vorgesehenen
Inbetriebnahme wurden die Mitarbeiter des Bereichs für Umweltingenieurwesen,
Leiter Doc. Dr. Yüksel Burdulu, in die Bedienung und der richtigen
Durchführung von Umweltanalysen unterwiesen. Die ersten Analysen umfassten
das Trinkwasser der Stadt Konya sowie des Campus wobei in ihnen durch die
Chlorierung des Wassers die typischen chlorhaltigen Komponenten (Trihalomethan)
nachgewiesen wurden. Zum Schluss wurde das Abwasser der Stadt Konya vom Ende
der städtischen Kanalisation bis zum Eintritt diese Abwassers über ein
offenes Kanalsystem in den Tuz Gölü-Salzsee nach organischen Schadstoffen
untersucht.
Eine Belastung des Tuz Gölü durch die städtischen
Abwässer kann z.Zt. zwar noch ausgeschlossen werden. Es ist jedoch zu
vermuten, dass eine fortwährende Einleitung dieser Abwässer mittelfristig zu
einer Kontamination des Sees und damit zu einer erheblichen Beeinträchtigung
der Salzgewinnung durch die staatliche Monopolgesellschaft führen wird. Um
diesen Aspekt der langfristigen Umweltbelastung zu untersuchen, wurde mit
den Kollegen an der Selcuk Universität ein Forschungs- und
Untersuchungsprogramm entwickelt, wobei die Belastung des Abwassers der
Stadt Konya als Tages-, Wochen- und Jahres-Ganglinien analysiert werden.
Diese Arbeiten werden vom Institut des TUD-Vorsitzenden an der TU
Braunschweig und mit finanziellen Mitteln des BMBF unterstützt. Es ist
vorgesehen, dass jährlich ein Wissenschaftler der Selcuk Universität für 3
Monate eine Fortbildungsmaßnahme in Umweltanalytik an der TU Braunschweig
unter der Leitung von Prof. Bahadir durchführt. In 1996 nahm Doc. Dr.
Mustafa Pehlivan an dieser Maßnahme teil, für 1997 ist dies mit Frau Dilek
Erdirencelebi vorgesehen. Die Kosten des Aufenthaltes in Deutschland werden
vom BMBF übernommen. In ebenfalls jährlichen Gegenbesuchen Braunschweiger
Wissenschaftler werden die Forschungsaktivitäten der Selcuk Universität
gefördert.
Neben diesem know how Transfer ist noch ein weiterer
Gerätetransfer vorgesehen. Dabei handelt es sich um ein analytisches
Großgerät (Gaschromatographie-Massenspektrometrie-Kopplungen; preis 130.000
DM), mit dessen Hilfe unbekannte organische Umweltschadstoffe identifiziert
werden können. In 1998 wird außerdem noch ein internationaler Kongress über
Umweltforschung an der Selcuk Universität zusammen mit der TU Braunschweig
veranstaltet, der zum Ziel hat, die Umweltforschungsaktivitäten in dieser
Region (Türkei, Ägypten, Jordanien, Israel u. a.) zusammenfassend
darzustellen und ggf. Kooperationen zwischen den Aktiven Wissenschaftlern
aufzubauen. Auch für diesen Kongress werden Finanzmittel des BMBF akquiriert
Mit diesen Maßnahmen wird die Selcuk Universität einen
vorderen Rang bei umweltchemischer Forschung der Türkei und als
Referenzlaboratorium für die Region tätig werden.
Stadt Konya bietet der TUD eine engere Zusammenarbeit an.
Anlässlich seines Aufenthaltes an der Selcuk
Universität Ende September 1996 kam Prof. Bahadir auch mit dem
Oberbürgermeister der Stadt Konya, Herrn Doc. Dr. Halil Ürün, und seinen für
Abfall- und Abwasserfragen zuständigen Dezernenten in Kontakt. Halil Ürünbat
dabei die TUD um Mithilfe bei der Entscheidungsfindung für die
zukunftsträchtigen Investitionen zur Errichtung einer neuen, nach dem Stand
der Technik konstruierten Abfalldeponie sowie der Sanierung der z.Zt.
betriebenen umweltschädlichen Müllkippe, ebenso für die Errichtung einer
zentralen biologischen Kläranlage für die Stadt.
Zur Zeit werden die kommunalen Abwässer der Stadt Konya
zusammen mit Industriewässern zwar in einer Kanalisation gesammelt aber
ungeklärt und nach Vermischung mit Flusswasser über ein offenes Kanalsystem
zum 120 km entfernten Tuz Gölü abgeleitet. Aufgrund der enormen Länge dieses
Kanals stellten sich biologische Abbauprozesse für organische Schadstoffe
wie in einer Kläranlage ein. Allerdings werden die Schwermetalle und schwer
abbaubaren organische Verunreinigungen dabei nicht abgebaut, sondern im
Sediment abgelagert bzw. bis zum Tuz Gölü transportiert. Auch nutzen die
Bauern dieses vermischte Abwasser zur Bewässerung ihrer Felder, was eine
zusätzliche Gefahr des Schadstofftransfers in die Nahrungskette bedeutet.
Der Bau einer biologischen Kläranlage soll diesen Problemen vorbeugen. Für
den Betrieb sind analytische Untersuchungen der Einleiter
(Industrieabwässer) erforderlich, die von dem gegründeten Umweltlabor an der
Selcuk Universität durchgeführt werden sollen. Die aus dem Ausland
eingehenden Angebote zum Bau einer kommunalen Kläranlage in Konya wird durch
Vermittlung der TUD von auf diesem Gebiet ausgewiesenen, deutschen
Wissenschaftlern begutachtet, damit diese Investition tatsächlich dem Stand
der Technik und den Bedürfnissen der Stadt Konya entspricht. Ein erstes
Angebot wurde bereits begutachtet und als nicht zeckmässig erkannt.
Die gegenwärtige Müllkippe der Stadt Konya entspricht
in keiner Weise den Anforderungen einer umweltgerechten Abfalldeponierung.
Dabei handelt es sich um eine ungeordnete Deponie ohne Basisabdichtung und
ohne Sickerwasser- bzw. Gasfassung. Erhebliche aerobe und anaerobe
Stoffumsetzungen in den, mit industriellen Abfällen vermischt abgelagerten,
häuslichen Abfällen führt zur Selbsterhitzung und letztlich zu
Deponiebränden. Dass gerade die unkontrollierte Verbrennung von
Siedlungsabfällen bei ungenügenden Temperaturen und fehlender Abgasreinigung
zu einer erheblichen Dioxin-/Furan-Bildung führt, ist inzwischen in
Deutschland ein Allgemeinwissen, was dort jedoch leider noch auf
Bildungsdefizite hinweist. Mehrere Arbeiter separieren die industriell
verwertbaren Müllbestandteile mit ungeschützten Hände. Wie wir beim
Nachfragen erfahren konnten, werden PET-, Kunststoff- und Metallfraktionen
für die Recyclingindustrie gesammelt. Besonders problematisch ist aber das
Sammeln von Knochen, Tierabfällen und Kadavern, die dort nicht in
Abdeckereiensondern auf der Deponie landen, für die Kraftfutterherstellung.
Auf der Deponie befand sich eine Rinderherde, die Grün- und Küchenabfälle
aus dem Abfallhaufen heraus fraßen. Unmittelbar neben dem Deponiegelände
befindet sich eine Musterfarm des Ministeriums für Dorfentwicklung sowie
der Viehmarkt und der Schlachthof der Stadt Konya. Somit schließt sich der
Kreislauf der Schadstoffanreicherung in der Nahrungskette. Die Stadt plant
den Bau einer geordneten Deponie mit Basisabdichtung und Sickerwasser- und
Gaserfassung. Sie hat jedoch keine Vorstellung, in welcher Weise eine
Sanierung der bestehenden Deponie in frage kommt bzw. durchgeführt werden
soll. Auch ist ihr die Problematik der Dioxinbildung bei Deponiebränden und
Schadstoffanreicherung durch Milch und Fleisch dieser Rinder und der mit
Kraftfutter gemästeten Tiere nicht bewusst. Hier kann und wird die TUD mit
Hilfe der an der Selcuk Universität geschaffenen Forschungskapazität eine
wesentliche Rolle spielen. Erste anfragen der betreffenden Direktoren der
abfall- und Abwasserwirtschaft der Stadt an die Kollegen von der Selcuk
Universität wurden in Anwesenheit von Prof. Bahadir ausführlich diskutiert.
Eine künftige Zusammenarbeit dieser beiden, von der TUD beratenen
Einrichtungen bahnt sich inzwischen an.
[
http://www.oekochemie.tu-bs.de/TUD3a.htm ]
Aufgabe: Erläutere die Modernisierungsplanung
der Stadt Konya und vergleiche Sie mit den Aufgaben der Kommunalpolitik in
deinem Heimatort. Erörtert dabei vor allem, warum Öffentlicher
Personennahverkehr, Straßenbau und kommunale Ver- und
Entsorgungseinrichtungen im Vordergrund dieser Politik stehen und warum sich
gerade diese Modernisierung mit dem Selbstbewußtsein einer „islamischen
Kulturhauptstadt“ gut vereinbaren läßt.
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Basisdaten |
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Provinz
(il): |
Konya |
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Koordinaten: |
37° 52′ 41″ N, 32°
28′ 52″ O |
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Höhe: |
1.200 m |
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Einwohner: |
1.036.027
(2010) |
| |
Telefonvorwahl: |
(+90) 332 |
| |
Postleitzahl: |
42 000 |
| |
Kfz-Kennzeichen: |
42 |
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Struktur und
Verwaltung (Stand: 2011) |
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Bürgermeister: |
Tahir Akyürek
(AKP) |
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Webpräsenz: |
www.konya.bel.tr |
Konya – Die andere Stadt
Stadtentwicklung und Stadtidentität
in einer semiperipheren Region
Zentral-periphere Strukturen
Stadtentwicklung nach dem
Zweiten Weltkrieg
Das Thema im Unterricht
Literatur
Internet-Adressen
Materialien
Fotos:
Abb. 1: Das Grabmal des Mêvlâna Djelladin Rûmis: Museum
und Wallfahrtsort
Abb. 2: Ein traditionelles Stadtquartier – nur noch
Reste alter Stadtstrukturen
Abb. 3: Die neue Markthalle ersetzt den traditionellen
Gemüse- und Lebensmittelbazar
Abb. 4: Hauptstraße zwischen dem Mêvlâna und dem
Alaeddin-Hügel: Moderne Cityentwicklung
M 1
Eine Stadt mit besonderem Charakter: Ein
Gespräch mit türkischen Schülern
M 2
Die ›grünen Löwen‹ von Konya
M 3
In der Peripherie: Konya im 19.
Jahrhundert
M 4
Einwohnerzahlen der Provinz und der
Stadt Konya
Die zehn größten Städte der Türkei
M 5
Bevölkerungsentwicklung
M 6
Industrielle Arbeitsplätze
M 7
Die neue Stadtbahn in Konya
M 8
Die UNESCO rettet eine
Moschee
M 9
Entwicklung der
Zusammenarbeit der UNI Braunschweig und der
Universität von Konya
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